· 

Von Plastikmüll zu Sportswear: Re-Athlete

nachhaltigkeit-sport
nachhaltigkeit-sport
Fotos: Re-Athlete

Ich erzähle euch sicherlich nichts Neues, wenn ich sage, dass wir unglaublich viel Plastik in unseren Meeren haben. Doch was bedeutet "unglaublich viel"? Laut WWF werden jährlich circa 13 Mio. Tonnen Plastik in die Meere befördert. Das entspricht eine LKW-Ladung pro Minute (und ab ins Wasser damit). Aktuell liegen schätzungsweise 80 Mio. Tonnen Plastikmüll auf dem Meeresboden. Und wenn der ganze Spaß so weiter geht, wird es im Jahr 2050 mehr Plastik als Fische im Wasser geben. 

 

In meinem (leider) alltäglichen Sprachgebrauch würde ich nun "heavy shit" sagen, doch hier reiße ich mich zusammen. Deswegen: Hallelujah. Nun gut, eigentlich schaut es ziemlich aussichtslos aus. Doch es gibt Menschen, die einen Hoffnung schenken, wie zum Beispiel Alina und Johannes. Mit ihrem Start-up Re-Athlete verarbeiten sie das Plastik aus den Meeren zu Sportswear und unterstützen mit ihrer Herstellung zusätzlich die deutsche Textilindustrie. Mehr möchte ich auch gar nicht mehr hinzufügen, lest einfach das Interview.

 

Interview - Re-Athlete

1. Hallöchen, Re-Athlete! Schon mal danke vorweg für eure Zeit. Schießt mal bitte los. Wer steckt hinter „Re-Athlete“?

Hinter Re-Athlete stecken Alina Hische (25 Jahre) und Johannes Skowron (24 Jahre) aus Braunschweig. Wir haben das Startup vor ca 1,5 Jahren gegründet. Nebenbei studieren wir beide im Fernstudium - Alina macht ihren Bachelor in Psychologie und Johannes macht seinen MBA mit dem Schwerpunkt Strategic Management. Mittlerweile bestimmt das Startup unseren Alltag: Zusätzlich zu unserem Online-Shop haben wir in Braunschweig (Ferdinandstraße 8) einen kleinen Laden eröffnet. Studiert wird dementsprechend abends & nachts. Zusätzlich zum eigentlichen Gründerteam arbeiten wir mit vielen Partnern zusammen, die mit uns den Recyclingprozess und die Näharbeiten gestalten.

 

2. Was ist „Re-Athlete“?

Re-Athlete ist eine nachhaltige Sportmarke, die ihren Fokus sowohl auf nachhaltige/recycelte Materialien, als auch auf einen regionalen Herstellungsprozess legt. Die Marke steht für eine nachhaltige Bewegung im Sport, die sich sowohl an Einzelsportler, als auch an Vereine und Firmen richtet. Wir verwenden ein innovatives Recyclingmaterial für unsere Sportswear, welches aus alten Fischernetzen und weiteren Plastikabfällen aus den Weltmeeren und der Industrie gewonnen wird. Der Stoff hat die selben Eigenschaften wie ein konventioneller Funktionsstoff (elastisch, weich, flach, atmungsaktiv, integrierter UV-Schutz u.v.m.) und eignet sich somit hervorragend für Sport & Freizeit. Die Designs und Schnitte kommen direkt von uns: Die Näharbeiten finden alle in Norddeutschland statt. Mit dem Konzept möchten wir zum Einen die Meeresverschmutzung stoppen und zum Anderen ein Statement gegen die Fast Fashion Industrie setzen. Jeder Sportler, der unsere nachhaltige Activewear trägt, unterstützt diese Maßnahmen automatisch.

 

3. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, „Re-Athlete“ zu gründen? Was hat euch dazu bewegt?

Der Gedanke zur Gründung kam uns im Sommerurlaub auf Madeira, nachdem Johannes seine Bachelorarbeit zum Thema "Social Entrepreneurship in der Sportbranche" abgegeben hatte. Wir haben mit der Gründung unsere Interessen und Stärken zusammengelegt. Alina näht und schneidert schon, seit sie ein kleines Kind ist und Johannes interessiert sich sehr für die Gründerszene, BWL und Sport. Da der Nachhaltigkeitsgedanke bzw. der Umweltschutz auch schon im privaten Umfeld der Gründer eine große Rolle einnimmt, lag die Lösung auf der Hand.

 

Die Plastikverschmutzung in den Weltmeeren ist eine Katastrophe: Jährlich landen bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle in den Ozeanen. Besonders die Fischernetze stellen hierbei eine Bedrohung für hunderttausende Meeresbewohner dar. Alleine in der Ostsee landen jährlich 10.000 der sog. "Ghostnets". Vögel und Meeressäuger verfangen sich in den Todesfallen oder verenden an dem gefressenen Plastik.

 

Als der o.g. Entschluss feststand, dass wir nachhaltige und recycelte Sportbekleidung aus Deutschland vertreiben wollten, suchten wir uns die entsprechenden Partnerunternehmen und starteten Ende 2016 mit unserer Unternehmung.

 

4. Beschreibt „Re-Athlete“ in drei Worten:

RECYCLED. REGIONAL. RESPONSIBLE.

 

5. Wenn ihr eine Sache auf der Welt verändern dürft– was wäre das?

Ein Umdenken bei Funktionären in der Wirtschaft und Politik. Nachhaltige Lösungen müssen nicht kompliziert und teuer sein. In vielen Tätigkeitsfeldern fehlt die Sensibilisierung für grüne Produkte/Dienstleistungen und deren Mehrwert für uns, die Umwelt, den Planeten.

 

Wow, danke für das tolle Interview. Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

 

nachhaltigkeit-sport
nachhaltigkeit-sport
Fotos: Re-Athlete

Ich hoffe, euch hat das Interview genauso gut gefallen wie mir. Falls ihr mehr von Re-Athlete erfahren wollt, folgt ihnen einfach auf Facebook oder Instagram.

 

Jetzt sind wir auch schon wieder fertig für heute. Da ich gerade so schön in Fahrt bin, muss der nächste Sonntag für Mikroplastik herhalten. Wenn schon, denn schon.

 

Adieu,

 

Lisa

 

 

Quelle: Re-Athlete

Vorschaubild: Areti Kominou, Re-Athlete

Eintragsbilder: Re-Athlete