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Gedanken: Zerdenken

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Foto: Martina H.

Eigentlich wollte ich heute über Kondome schreiben, doch auf dem Nachhauseweg haben mich andere Gedanken heimgesucht. Deswegen muss das Kondom-Thema noch etwas warten. Naja, was möchte ich euch denn mitteilen, das in meinem Kopf gerade die Lichter an- und ausschaltet aka "Disco Disco Party Party"? (Kurzer Exkurs: Nur weil ich auf Frauen stehe, bedeutet das nicht, dass ich Kondome keine Aufmerksamkeit schenke - es kommt noch!)

 

Es knüpft ein bisschen an meinen letzten Beitrag über Vegetarismus an. Heute handelt es sich allerdings um die Vorgeschichte bzw. wann ich mich dazu entschiedenen habe, auf Fleisch/Fisch zu verzichten und warum ich so lange gezweifelt habe, diesen Schritt zu gehen. Deswegen gehen wir zurück ins Jahr...

 

2014

Ich kann mich noch ziemlich genau an das Gespräch mit meiner jüngeren (aber weitaus größeren) Schwester Isabell erinnern. Wir standen in der Küche und haben über's Essen geredet. Schließlich sagte ich zu ihr, dass ich mir schon seit längerer Zeit überlege, Vegetarierin zu werden.  Nur wann, das wusste ich nicht genau. Sie bejahte und fügte hinzu, dass sie die gleichen Gedanken hat. Damit war das Thema erstmal gegessen - dachte ich.

Irgendwann kam ich von der Uni nach Hause und meine Mutter erzählte mir, dass Isabell nun Vegetarierin sei. Wow. Sie hat es nun getan und zieht es durch. Keine Schnitzel mehr, keine Weißwurst zum Frühstück, keinen Leberkäse und natürlich auch keinen Sonntagsbraten von Oma. Ich? Ne, ich nicht. Und wieso? Tja... zum einen war da die Angst vor Enttäuschung ("Oma, ich esse deinen Sauerbraten nicht mehr"), zum anderen die Meinungen anderer. 

 

Meinungen anderer

So banal es für euch wahrscheinlich klingt, die Meinungen von anderen haben mich mal wieder in meinem Vorhaben gehemmt. Oder auch: Ich habe mich selber blockiert. Damit ihr aber nun besser verstehen könnt, was mich so sehr zum Grübeln und Nicht-Handeln gebracht hat, hier die Tagesthemen:

Als ich in meinem Umfeld mit Vegetarismus vorgefühlt habe, wurde ich von jeglicher Seite belehrt, was ich nicht machen dürfe. "Lisa, wenn du kein Fleisch mehr isst, dann darfst du auch kein Joghurt oder Käse mehr essen, den Kühen geht's nämlich auch richtig beschissen.", "Und deine Kleidung, wo hast du die her? H&M? Kinderarbeit! Willst also den Tieren helfen, aber nicht den Kindern?".

 

Halleluja, hat mich das genervt. Und irgendwie dachte ich mir: Haben sie nicht recht? Also dann lieber doch gleich bleiben lassen. Ich kann mich schließlich nicht zerreißen. Wenn ich alles gut machen möchte, dann am besten nackt im Krankenhaus am Tropf hängen. Aber auch das ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht 100 % ethisch korrekt. Ich hab mich vorerst geschlagen gegeben. Anstatt einen Schritt in die nachhaltige Richtung zu gehen, bin ich stehen geblieben.

 

2017

Mein Gamechanger und Mutmacher war mein Professor in der Vorlesung  Sustainability Management. Er sagte zu uns, dass man nicht von heut auf morgen perfekt sein muss und auch nicht kann. Einfach kleine Schritte für sich gehen und das machen, was man für richtig hält. Unabhängig von den Meinungen anderer. Man denkt immer sofort an "Alles oder Nichts", "Schwarz oder Weiß". Aber nein, einfach mal machen! Wir müssen weg von diesen Extremen.

 

Obwohl ich diese Gedanken schon immer in mir hatte, musste ich sie nochmal von jemand anderem hören. An diesem Tag habe ich es gehört - auch mit dem Herzen - und verstanden. Und beschlossen, Vegetarierin zu werden.

 

Rückblickend muss ich wirklich schmunzeln, dass mich die Meinungen/Belehrungen anderer so sehr beeinflusst haben. Ich zerdenke oft - leider. Aber es ist schon viel, viel weniger geworden. Meine Schwester war da auch viel mutiger und hat einfach das getan, worauf sie Bock hatte. Ganz getreu dem Motto "Einfach machen". Und ja, das tu ich auch, in sämtlichen Lebensbereichen - einfach machen.

 

Over and out,

 

Lisa