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Gedanken: Vegetarier? Flexitarier? Pescetarier?

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Foto: Iurie Matraguna

Ich habe gerade einen Ping-Pong Ball in meinem Kopf und damit er Ruhe gibt, muss ich meine Gedanken loswerden. Seid ihr für mein kleines Chaos bereit? Ich strenge mich auch an, diesen Wirrwarr verständlich in die Tastatur zu hauen. Bam, Bam, Bam. Falls es unklar für euch wird, dann: Abort Mission, Abort Mission - und wartet lieber auf den nächsten Eintrag am Sonntag. Der handelt von Lebensmittelretter und eine App. Kurz und knackig.

 

Nun gut, was kann also in meinem Kopf nicht mit dem Spielen aufhören? Es sind die Bezeichnungen wie Vegetarier, Pescetarier, Flexitarier und die anderen zig, die sämtliche Ernährungsweisen beschreiben. Diese Kategorien können ja ziemlich praktisch sein, wenn nötig. Zum Beispiel, um Missverständnisse beim Essen zu beseitigen. Doch im Großen und Ganzen finde ich die Bezeichnungen eher anstrengend als hilfreich. Wieso? Das kommt jetzt.

  

Vegetarimus oder Flexitarismus

Ich behaupte von mir, dass ich Vegetarierin bin (esse weder Fleisch noch Fisch), da ich mich überwiegend vegetarisch ernähre. Letztes Jahr im Mai habe ich mich dazu entschlossen, diese Ernährungsweise zu verfolgen. Schließlich bin ich im September für mein Auslandssemester nach China gereist und habe für viereinhalb Monate in Guangzhou gelebt. Wer schon mal in diesem Land war, weiß, dass es sehr schwer ist, Gerichte ohne Fleisch zu finden. Und da mir eine gesunde und ausgewogene Ernährung wichtig ist, habe ich den Vegetarismus temporär abgelegt. 

 

Zurück in Europa. Ich habe wieder begonnen, auf Fleisch zu verzichten. Mit einer Arbeitskollegin bin ich auf meine Ernährungsweise zu sprechen gekommen (wir haben regelmäßig ein "Company-Lunch" und ich musste meine Präferenz angeben). Ich erklärte ihr, dass ich in China "normal" gegessen habe und jetzt wieder ausschließlich vegetarisch leben werde. Diesen Wechsel von vegetarisch-nichtvegetarisch-vegetarisch hat sie belächelt - zu mindestens empfand ich es so. Naja, dennoch kann mir das ja egal sein. Angenervt war ich erst später.

Und zwar: Als ich ihr davon erzählte, dass ich Fleisch essen würde, wenn ich weiter weg reise. Das hat zwei Gründe. Zum einem möchte ich in einem Land, in dem ich die Sprache wahrscheinlich kaum bis gar nicht verstehe und ich den ganzen Tag unterwegs bin, nicht zwingend nach einer fleischlosen Alternative suchen. Zum anderen finde ich die unterschiedlichen Esskulturen unglaublich interessant. Und damit ich ein Land bestmöglich verstehen kann, bin ich auch bereit, seine Fleischgerichte zu probieren.

 

Daraufhin kam von ihr, dass ich keine Vegetarierin sei. Stimmt das? Die eheste Bezeichnung, die zu treffen könnte, wäre wahrscheinlich Flexitarier (esse hin und wieder Fleisch und Fisch). Doch spiegelt dieser Begriff meiner Meinung nach meine Ernährungsweise nicht wider.

 

Pescetarismus - Ja oder Nein?

Der nächste Punkt - Pescetarimus (esse kein Fleisch aber Fisch). Wir befinden uns erneut in meiner Arbeit. Schon wieder kommen wir auf meine Ernährungsweise zu sprechen (keine Ahnung wieso). Ich wurde von einer anderen Kollegin gefragt, ob ich Fisch esse. Ich wusste nicht genau, wie ich die Frage beantworten sollte. Aber ja, ich esse Fisch - wenn es hoch kommt 3 mal im Jahr (Sushi). Mir schmeckt Fisch nicht wirklich. Den Geschmack setze ich meist mit einem großen Schluck aus der Ostsee gleich (als Kind habe ich wohl zu viel Wasser im Urlaub abbekommen). Lachs ist hin und wieder ganz in Ordnung. 

 

Für sie bin ich nun eine Pescetarierin. Für mich -  ich erkenne mich auch im Pescetarimus nicht wieder, da ich Fisch nur bedingt bzw. sehr selten esse. Wie schon erwähnt, größtenteils schmeckt Fisch für mich nach Ostsee-Wasser.

 

Hilfestellung und Wegweiser

Wie ihr nun sicherlich erkennen könnt - irgendwie fühlt sich für mich keine dieser Begriffe zu 100 % richtig an. Aber das müssen sie auch nicht. Meiner Meinung nach sollte man die Bezeichnungen als Hilfestellung oder Wegweiser verwenden, sich aber nicht zu sehr darauf aufhängen. Nicht in Schwarz/Weiß abfertigen sondern auch die Grauzonen berücksichtigen. Und vor allem das Gegenüber nicht belehren, was es ist - oder nicht ist. Im Endeffekt bleibt es jedem selbst überlassen. Mein Wegweiser bleibt vorerst der Vegetarismus.

 

 

Vielleicht befand sich der/die Eine oder die Andere in ähnlichen Situationen.  Oder ihr findet meine Gedanken total übertrieben und könnt diese nicht nachvollziehen. Mein Ping-Pong Ball hat auf jeden Fall aufgehört zu springen, das ist toll. Der Kopf ist wieder frei und hat Platz für neuen Unsinn.

 

Das war's auch schon mit meinem Gedankenchaos. Ihr habt es tatsächlich bis hierher durchgehalten. Ob ihr mir folgen konntet, ist natürlich eine andere Frage. Ich nehme es euch auch nicht übel, wenn das nicht ganz so gut geklappt hat. Nächsten Sonntag geht es mit den herkömmlichen Artikeln weiter. 

 

Bis dahin, schöne Woche euch.

 

Lisa